OMILIES
Die Omilies sind metrische Volksgedichte mit Theaterstruktur. Sie
sind als die reinsten und komplexesten Formen des Volkstheaters betrachtet. Ihr
besonderes Merkmal ist, daß sämtliche Rolle männliche bzw. weibliche sind von
Männern, die Masken tragen, gespielt. In den letzten Jahren werden die Masken
nicht mehr benutzt. Ihr Metrum ist jambisch und der Vers fünfzehnsilbig mit
gepaartem Reim, genauso wie bei der Kretischen Literarischen Bühne.
Das Repertoire von Omilies reicht in der Regel von Werken mit
Liebesinhalt bis zu Werken satirischen bzw. unterhaltsamen Charakters. Viele
Theaterstücke des griechischen und des internationalen klassischen Repertoire
sind von zakynthischen Volksdichter in zakynthischer Mundart bearbeitet und sie
sind als Omilies aufgeführt worden. Solche Beispiele sind Werke wie
“Erotokritos” “Erofili”, “Romeo und Julieta”, “die Opferung des Abrahams”, “Der
Hasis”, “Gianniotes”, “Der Geliebte der kleinen Hirtin”, “Esme, die türkische
Frau”, “Eugena” u.a.
In der Hauptstadt von Zakynthos lassen sich die Omilies seit der
Mitte des 17. Jahrhunderts vorführen. Die Erste Aufnahme einer “Omilia” fand
1666 auf dem Hauptplatz von Zakynthos statt. Das Werk bezog sich auf dem Leben
und dem Tod des hebräischen falschen Messias Sabathai Sevi. Nach dieser
Aufführung kam es zu einer Reaktion der Hebräern der Insel. In den Dörfern
traten die ersten Aufführungen der Omilies im Freien um 1780.
Auf Zakynthos wurden Aufführungen der Omilies im Laufe des Karnevals
von amateuren Schauspielern abgehalten. Sie fingen in der Regel am Tsiknopempti
(Donnerstag vor Fasching) an und endeten am Käsesonntag (tis Tyrinis). Sonntags
fingen sie ab Morgen an, während die übrigen Tagen der Woche um zwei Uhr
mittags anfingen und unter den Häusern der Reichen stattfanden. Ihr Hauptzweck
war eigentlich der Gewinn (heute lassen sie sich als ein Brauch betrachten) und
zwar am Ende jeder Aufführung sammelten zwei Maskierte das Geld von den
Zuschauern.
Nach einer Reihe von Studien entwickelten
sich drei Ansichten, was ihren Ursprung und die Einflüsse sie bekamen betrifft:
1.
Entweder
sind sie Nachahmungen des venezianischen Karnevals und der italienischen
Commedia dell’Arte, oder stammen sie aus dem Repertoire des Rennaisance- und
Barocktheaters, das sich an den Volksvorzüge anpassen lässt. Hier ist es
allerdings wichtig zu erwähnen, dass die Rolle bei der Commedia dell’Arte von
professionellen Schauspielern gespielt wurden, während die Schauspieler der Omilies
Amateure sind. Eine Aufführung der Commedia fand einmal 1611 in Handakas auf
Kreta statt, jedoch gibt es keine Zeugnisse für die vorherige Existenz von
Aufführungen der Commedia auf Zakynthos und in der Ionischen Inseln im
Allgemeinen.
2.
Sie
sind Nachahmungen des Kretischen Theaters. Nach dem Fall von Handakas (Heraklion
Kretas) 1669 flüchteten viele kretische Künstler auf Zakynthos, worauf
wahrscheinlich die Ähnlichkeiten der Omilies mit den Werken der
Kretischen Literatur zurückzuführen sind.
3.
Sie
sind eine weitere Entwicklung der erfinderischen Aufführungen des Karnevals.
Zusammenschließend sind Omilies ein großer Teil der kulturellen Erbe
von Zakynthos. Seit der Zeit, dass sie in kleinen Laden verfasst wurden bis
heute sind viele Jahrhunderte verlaufen, jedoch werden sie immer noch von den
Einheimischen bewahrt und weiterentwickelt. Positiv ist die Tatasache, dass in
den letzten Jahren namhafte und anonyme Volksdichter haben angefangen, sich mit
der Omilies zu beschäftigen. |